Musikalische Schnappschüsse
Wandelkonzerte in historischen Schlössern
Unser Programm lädt die Besucher*innen dazu ein, Alte Musik in den historischen Räumen eines Schlosses zu erleben. Ergänzt wird die Musik durch ausgewählte literarische Texte, die von einem Schauspieler vorgetragen werden und thematisch mit den musikalischen Werken und dem Ort korrespondieren. Auf diese Weise entsteht eine reizvolle Verbindungen zwischen Klang, Wort und Raum.
Das Publikum lernt die Schlossräume dabei aus einer neuen Perspektive kennen: nicht nur als historisch-architektonische Denkmäler, sondern als lebendige Schauplätze von Geschichte und kulturellem Leben. Musik und Literatur eröffnen einen Zugang zum Kulturverständnis der Vergangenheit sowie zum Leben in Schlössern und ermöglichen zugleich einen tieferen Blick auf die europäische Kulturgeschichte, der über reine Sachinformationen hinausgeht.
Ziel dieses Projekts ist es, ein spartenübergreifendes Kulturerlebnis zu schaffen, das Musik, Architektur, Literatur und Schauspiel miteinander in Einklang bringt und dem Publikum einen intensiven und zugleich zugänglichen Zugang zu historischen Räumen eröffnet.
Das Projekt wird durch die Deutsche Orchesterstiftung durch ein Stipendium des Programms #MusikerZukunft ermöglicht.
Anna Amalia von Preußen - Fuga D-Dur
aufgenommen im Spiegelsaal des Schloss Rheinsberg
Beispieltext: Johann Wolfgang von Goethe über Architektur und Musik
zur Eröffnung der Veranstaltung
“Wenn man bedenkt, daß Jahrhunderte hier im höchsten Sinne architektonisch gewaltet, daß auf übrig gebliebenen mächtigen Substruktionen die künstlerischen Gedanken vorzüglicher Geister sich hervorgehoben und den Augen dargestellt, so wird man begreifen, wie sich Geist und Aug’ entzücken müssen, wenn man unter jeder Beleuchtung diese vielfachen horizontalen und tausend vertikalen Linien unterbrochen und geschmückt wie eine stumme Musik mit den Augen auffaßt, und wie alles, was klein und beschränkt in uns ist, nicht hone Schmerz erregt und ausgetrieben wird.
Ein edler Philosoph sprach von der Baukunst als einer erstarrten Musik und mußte dagegen manches Kopfschütteln gewahr werden. Wir glauben diesen schönen Gedanken nicht besser nochmals einzuführen, als wenn wir Architektur eine verstummte Tonkunst nennen.Man denke sich den Orpheus, der, als ihm ein großer wüster Bauplatz angewiesen war, sich weislich an dem schicklichsten Ort niedersetzte und durch die belebenden Töne seiner Leier den geräumigen Marktplatz um sich her bildete. Die von kräftig gebietenden, freundlich lockenden Tönen schnell ergriffenen, aus ihrer massenhaften Ganzheit gerissenen Felssteine mußten, indem sie sich enthusiastisch herbei bewegten, sich kunst- und handwerkgemäß gestalten, um sich sodann in rhythmischen Schichten und Wänden gebührend hinzuordnen. Und so mach sich Straße zu Straßen anfügen! An wohlschützenden Mauern wird’s auch nicht fehlen.
Die Töne verhallen, aber die Harmonie bleibt.”
andere Textauszüge u.a. aus:
- Charles Burney - Tagebuch einer musikalischen Reise
- Baldassare Castiglione - Der Hofmann
- Martin Luther - Frau Musika
- u.a.
Das vierköpfige Ensemble False Consonance gründete im Jahr 2020 in Bremen, als die vier Musiker:innen unter einem Dach wohnten. Aus den besonderen Umständen dieser Zeit entwickelten sich die zwei Grundideen des jungen Ensembles: False Consonance spielt bewusst ohne sperrige Tasteninstrumente, was dem Ensemble erlaubt, in jeder Art von Raum zu spielen und ein breiteres Spektrum an Dynamik, Farben und Schattierungen der Alten Musik zu entfalten. Neben dem originalen Repertoire für Flöte, Violine, Viola da Gamba/Cello und Laute liegt ein Fokus des Ensembles auch auf der Reduktion großer Werke für eine minimale Kammermusikbesetzung, wodurch eine Art „Taschenmusik" entsteht. Den Erfolg dieses Konzepts bewies False Consonance mit seiner Debüt-CD „Il Sassone – a domestic opera" (Oktober 2023). False Consonance wurde vom Deutschen Musikrat (2022/23) gefördert und erhielt zudem eine Ensembleförderung des Bremer Senators für Kultur (2024–26). Im Jahr 2024 gewann das Ensemble den Wettbewerb um den Titel „Rheinsberger Hofkapelle", verbunden mit einer künstlerischen Residenz in der Musikakademie Rheinsberg.
Annie Gard - Barockvioline
Theo Small - Traverso
Thomas Fields - Violoncello / Viola da Gamba
Johannes Festerling - Laute